Louisa
Ich arbeite seit 29 Jahren als Altenpflegerin in einem Altenheim. Der Tochter einer Bewohnerin konnten wir es nie recht machen. Auch wenn wir uns noch soviel Mühe gaben. Irgendetwas fand sie immer noch. Ihre Mutter war eine von 26 Bewohnerinnen auf der Station.  Auf der Station herrscht, wie auch auf anderen Stationen meist Personalmangel. Eines Morgens brach dann die Welt und ich zusammen. Ich war mit zwei Nichtfachkräften als einzigste Fachkraft auf der Station. Meine Gedanken waren überall. Als ich an diesem Morgen das Zimmer der Bewohnerin betrat, war sie gut gelaunt. Sie half beim Ankleiden und bei der Intimpflege sehr gut mit. Als sie angezogen war, setzte ich sie auf die Bettkante und gab ihr etwas zu trinken. Ich bat sie sitzen zu bleiben und verlies das Zimmer um eine Insulinspritze zu holen ( warum nur, die hätte ich besser später geholt). Ich war gerade aus dem Zimmer, da hörte ich einen Rums. Ich ging wieder in das Zimmer und sah, oh Gott, wie die Bewohnerin vor dem Bett lag. Sie hatte versucht den Becher auf den Nachttisch zu setzen und war dabei gefallen. Ihre Nase blutete und sie hatte Schmerzen im Knie. Hätte ich sie doch nur nach dem Waschen in den Rollstuhl gesetzt, da hätte sie sicherer gesessen.   Als ich sah, wie sie am Boden lag, bin ich zusammengebrochen und habe nach meinen Kollegen geschrien. Ich war völlig fertig. Ausgerechnet diese Bewohnerin mit der schwierigen Tochter. Ich musste die Tochter informieren. Die Heimleitung hatte keine Zeit, um mir beizustehen. Die Tochter beschwerte sich bei der Heimleitung und machte mich gegenüber den Kolleginnen fertig. Ich machte mir starke Selbstvorwürfe, hatte kein Selbstbewusstsein mehr, bestand nur noch aus ANGST und fühlte mich in dieser Situation völlig allein gelassen.
Als ich von der Traumatherapie mit EMDR erfuhr, war ich völlig am Boden. Der Therapeut erklärte mir, wie es funktioniert und ich versuchte mich darauf einzulassen. Meine erste Therapiestunde war ganz komisch für mich. Es hörte mir jemand zu der Ahnung hat. Mit meinem Mann konnte ich zwar über alles sprechen, aber er konnte mir nicht wirklich helfen.  Ich entschied mich für die wechselseitige Stimulation durch das Tippen auf den Knien. Man kann sich sehr gut darauf einlassen und es kann verdammt tief gehen und emotional sein. Die insgesamt 10 Sitzungen haben mir sehr geholfen.
Ich machte dann noch eine Kur in einer psychosomatischen Klinik und erhielt eine medikamentöse Unterstützung. Heute denke ich wieder positiver, auch wenn ich mich manchmal noch schwach fühle.