Marlene
Ich bin 45 Jahre alt, ledig und habe einen erwachsenen Sohn, auf den ich sehr stolz bin. Wegen einer generalisierten Angststörung bin ich seit Jahren erwerbsunfähig. Auslösende Faktoren für meine Ängste waren schon im Elternhaus angelegt und führten über eine schlechte Ehe, viele Schicksalschläge und Verluste zu extremem Vermeidungsverhalten und zur Alkoholsucht.
Nach einem Krankenhausaufenthalt begann ich eine ambulante Suchttherapie. Im Verlauf dieser Suchttherapie und nachdem ich schon einige Monate abstinent gelebt habe, begann ich mithilfe der EMDR Traumatherapie meine Ängste bzw. meine unbewältigten Erfahrungen aus der Vergangenheit zu bearbeiten. Ich kann nur positives über dieses Verfahren berichten, so simpel in der Anwendung aber so effizient in der Wirkung. Durch die Traumatherapie mit EMDR habe ich Zusammenhänge erkannt, die mir vorher schleierhaft waren. Es war erstaunlich, wie ich körperlich darauf reagierte, wenn in den EMDR-Sitzungen alte, negative Situationen auftauchten. Eine der Sitzungen mussten wir sogar unterbrechen, weil sich bei mir plötzlich der gesamte Mund und Kieferbereich so sehr zusammenzog und verkrampfte, das ich nicht mehr in der Lage war zu sprechen und zu schlucken. Im weiteren Verlauf konnte ich für mich klären, das dies mit verschieden Situationen aus meiner Kindheit und meiner Ehe zusammenhing. Ich dürfte bei meinen Eltern und meinem späteren Ehemann nie etwas sagen und hatte immer schön den Mund zu halten. Ja, im wahrsten Sinn des Wortes musste ich immer alles „schlucken". Dies ist nur ein Beispiel für vieles, was während der EMDR-Sitzungen immer wieder auftrat und mir die Zusammenhänge erkennen lies. Es waren oft sehr bewegende Momente für mich und vieles erschien mir plötzlich so logisch, wofür ich vorher keine Erklärung hatte. Das EMDR-Verfahren führte auch dazu, das ich in dieser Zeit sehr viele Träume hatte. Sowohl sehr schlechte als auch positive Träume. Jedoch von anderer Qualität als die herkömmlichen Träume, die ich meist beim Aufwachen schon wieder vergessen hatte. Sie waren intensiver, lebendiger und nachhaltiger. So, als würden die Gründe und Bedeutungen des Geträumten gleich mitgeliefert.
Ich lebe nun schon über zwei Jahre abstinent. Meine Ängste und Panikattacken haben sich wesentlich reduziert bzw. ich kann heute besser damit umgehen. Was mich belastet, wütend macht oder ärgert kann ich nun besser aussprechen, anstatt es nur hinzunehmen oder zu dulden. Ich kann jetzt auch mal „Nein" sagen, achte mehr auf meine Wünsche und Bedürfnisse, bin gelassener geworden,kann aber auch mal „eine 5 gerade sein lassen".
Zusammenfassend kann ich daher sagen, dass mich die EMDR-Therapie mehr als nur einmal verblüfft und überrascht hat. Ich kann nur allen Hilfesuchenden den Rat ans Herz legen, sich auf diese Methode einzulassen. Sie hat mir, verbunden mit meiner ambulanten Suchttherapie, den Weg in mein zweites, wundervolles Leben geführt.